"Welchen Unterschied macht es denn, eine Frau zu sein, wenn sich der Herzgeist klärt und das intuitive Wissen in einem erblüht, indem man den Dharma immer tiefer durchdringt? Wenn da noch einer denkt: 'Ich bin eine Frau' oder 'Ich bin ein Mann' oder 'Ich bin doch etwas in jedem Fall', wird man den Kräften der Verblendung unterliegen."

(Die Wanderasketin Soma, Systematische Sammlung, Pali-Kanon)


"Die Liebe ist eine Gleichung. Ein 'Ich' und ein 'Du' ergibt ein 'Wir'. Das ist wirklich ganz einfach...
Damit will ich sagen, dass die Basis für jedes 'Wir' immer ein 'Ich' ist. Und wenn das 'Ich' noch nicht ganz fertig ist, dann darfst du keinesfalls anfangen, schon das 'Wir' aufzubauen."

(Ally McBeal)


"Once the realisation is accepted that even between the closest human beings infinite distances continue to exist, a wonderful living side by side can grow up, if they succeed in loving the distance between them which makes it possible for each to see each other whole against the sky."

(Rainer Maria Rilke)

Saturday, 24 April 2010

Ich packs nicht... ich backe.

Am Freitag (23.4.) wohnte ich einer theatralen Performance im öffentlichen Raum bei - wie es uns von einem Vortragenden ans Herz gelegt wurde. Seine hier frei wiedergegebenen Worte: "So wenige [Rechtsgesinnte] wird man dort [Helden-/Ballhausplatz] nie wieder sehen." Die Rede ist von der Schlusskundgebung zur Bundespräsidentenwahl der FPÖ am Ballhausplatz.

Ballhausplatz vor der Kundgebung
Ballhausplatz vor der Kundgebung


Um das alles aus meinem System zu bekommen musste ich erst einmal einen langen Spaziergang nach Hause machen und nachdem ich dort angekommen war... backen.

Was mich gleich schnurstracks zum Stichwort Hausfrau führt: Fr. Rosenkranz behauptet, in ihrer Rede am Ballhausplatz, ihr Hausfrauendasein wird scharf kritisiert bzw. verspottet. But guess what, darum geht es überhaupt nicht. Hausfrauen arbeiten hart, Hausfrauen sind genauso wichtig und wertvoll wie Karrierefrauen, es ist völlig in Ordnung Hausfrau sein zu wollen... Ich persönlich finde es z.B. gut, wenn man die Möglichkeit hat bzw. nutzt, die ersten Jahre bei seinem Kind zuhause zubleiben.

Worum es aber geht ist, was man daraus macht und worum es geht ist, dass meist nach einiger Zeit, in der man nur zuhause bei der Familie ist und vom allgemeinen Arbeits-/Alltagsleben abgeschnitten ist, es oft an intellektueller Stimulation mangelt, außer man sucht diese aktiv. Worum es auch noch geht ist, wenn die Motivation für das zuhause bleiben, die Entscheidung für den Beruf Hausfrau, auf ewig gestrigen Gründen fußt.

Zudem ist ihre Angabe des Berufs "Hausfrau" ad absurdum geführt, da sie ja nicht wirklich "nur" Hausfrau ist, sondern eine Position als niederösterreichische Landesrätin inne hat.
Und dann hört man noch die Fr. Rosenkranz sagen, dass die Feministinnen sich freuen sollen über sie...
Wie bitte?

Hr. Strache vollführt in seiner Rede einen Schlängelkurs par excellence. Als Beispiel: Er spricht davon, dass allen Religionen ein Gebetshaus zusteht, aber bitte ohne Muezzin und Minarett. Und Fehlverhalten gehört natürlich auch in der Kirche bestraft, aber bitte den heiligen Vater (welcher untätig zu sieht) nicht (verbal) attackieren. Die Unterstützungserklärung an die christliche Kirche erscheint an sich widersprüchlich, da die Präsidentschaftskanditatin vor langer Zeit der Kirche den Rücken zu gekehrt hat.

Es werden immer wieder die selben Stereotypen sowie Feindbilder wiederholt und weitergegeben - z.B. bezüglich der linken Gegner, der "Ausländer". Da wird z.B. zwischen guten und bösen" Ausländern" unterschieden - mit der Anmerkung, man könne ja straffällige Österreicher leider nicht abschieben.
Trotz diesem Verhalten und all diesen Tatsachen wird dabei aber Fairness und unterlassen von Anschwärzungen, Verleumnungen und herabwürdigender Behandlung gefordert.
Man soll nicht verlangen was man selber nicht bereit ist zu geben.

Manchmal sieht man Menschen nach einem Anspracheabsatz inne halten, ihr Ausdruck deutet auf ein gedachtes "Was wurde da gerade gesagt? Was war da gemeint?" bzw. - um es realistischer auszudrücken - "Hääää?" hin. Geklatscht wird trotzdem, nur zögerlicher.
Wissen diese Menschen überhaupt was sie zustimmen - wofür sie klatschen, ihren Kopf vor und zurück wackeln lassen?

Die Welt steht Kopf in den Köpfen der Aussagenden, die diese Reden von sich geben, und der dem Zustimmenden.

Ballhausplatz 2 Stunden später



Nein, es waren nicht viele Menschen bei der Kundgebung. Diejenigen die dort hingehen sind auch nicht primärer Grund für die Besorgnis, auch wenn der überwiegende Teil wahrscheinlich "die hard" FPÖ-, respektive Strache-Fans sind und/oder gern einen (geistigen/politischen ) Führer reden hören. Das was einem wirklich kalt und beklemmend aufstößt ist die Dunkelziffer, diejenigen welchen die nicht kommen, jene die in ihrem Kämmerchen brüten. Kellernazis.

Persönlich habe ich weniger die Sorge, dass Fr. Rosenkranz diese Wahl gewinnen könnte. Was mir aber sehr wohl Unbehagen bereitet ist, welchen Prozentsatz sie erreichen wird.

Auch Menschen können ausscheren.
Entweder physisch, wie z.B. wenn man am Gehsteig geht, "überholen" will, aber derjenige vor einem immer wieder mal links oder rechts schwenkt.
Oder in ihrem Gedankengut, ihrer Gesinnung. Auch das ist links oder rechts möglich.

Noch habe ich den Optimismus und die Hoffnung, dass sich auch diese, in der letzten Zeit stetig wachsende, Zahl an "Rechts"wählern wieder einpendelt. Noch.

Schieflage mit leichtem Hang nach rechts



zum Nach-/Weiterlesen:

kurze Zusammenfassung der Schlussrede auf orf.at

Urteil des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Fall Scharschach/Rosenkranz

1 comment:

a guy in a gorilla suit said...

einer theatralen Performance im öffentlichen Raum bei - schön definiert... Aufmarsch der Zwerge eben

Und da feil ich und feil ich an einem Kommentar - und komm doch nur zu dem Schluss: Such Dir "Der Herr Karl" auf youtube zusammen.

Auftritte und Ausritte wie die Pomeranz und der Flache sind die traurigen Auswüchse, welche aus einem noch immer fruchtbarem Schoß sich ranken tun. Man kann damit leben oder nicht, es als Wehrmutstropfen ansehen und dann ganz erschrocken sein, wenn dann mal ein Stein fliegt und ein Schädel bricht.

Erbärmlich diese Auftritte - noch trauriger jene, die sich durch solche in ihrem Handeln bestätige fühlen. Und zum Davonlaufen das zum Alltag geronnene Denken. Greifen wir weit über die Grenzen des Themas und stellen fest, dass weder Hitler noch einer seiner engsten Vertrauten einen Mord persönlich ausführten (soweit mein Wissen) - und dass die willigen Vollstrecker des Mordens immer die Anderen waren.

Ich geh jetzt mal raus in die Sonne, bevor mir die Decke auf den Schädel kracht...

Danke für die Berichterstattung

Und die...