Am Freitag (23.4.) wohnte ich einer theatralen Performance im öffentlichen Raum bei - wie es uns von einem Vortragenden ans Herz gelegt wurde. Seine hier frei wiedergegebenen Worte: "So wenige [Rechtsgesinnte] wird man dort [Helden-/Ballhausplatz] nie wieder sehen." Die Rede ist von der Schlusskundgebung zur Bundespräsidentenwahl der FPÖ am Ballhausplatz.
Ballhausplatz vor der Kundgebung
Um das alles aus meinem System zu bekommen musste ich erst einmal einen langen Spaziergang nach Hause machen und nachdem ich dort angekommen war... backen.
Was mich gleich schnurstracks zum Stichwort Hausfrau führt: Fr. Rosenkranz behauptet, in ihrer Rede am Ballhausplatz, ihr Hausfrauendasein wird scharf kritisiert bzw. verspottet. But guess what, darum geht es überhaupt nicht. Hausfrauen arbeiten hart, Hausfrauen sind genauso wichtig und wertvoll wie Karrierefrauen, es ist völlig in Ordnung Hausfrau sein zu wollen... Ich persönlich finde es z.B. gut, wenn man die Möglichkeit hat bzw. nutzt, die ersten Jahre bei seinem Kind zuhause zubleiben.
Worum es aber geht ist, was man daraus macht und worum es geht ist, dass meist nach einiger Zeit, in der man nur zuhause bei der Familie ist und vom allgemeinen Arbeits-/Alltagsleben abgeschnitten ist, es oft an intellektueller Stimulation mangelt, außer man sucht diese aktiv. Worum es auch noch geht ist, wenn die Motivation für das zuhause bleiben, die Entscheidung für den Beruf Hausfrau, auf ewig gestrigen Gründen fußt.
Zudem ist ihre Angabe des Berufs "Hausfrau" ad absurdum geführt, da sie ja nicht wirklich "nur" Hausfrau ist, sondern eine Position als niederösterreichische Landesrätin inne hat.
Und dann hört man noch die Fr. Rosenkranz sagen, dass die Feministinnen sich freuen sollen über sie...
Wie bitte?
Hr. Strache vollführt in seiner Rede einen Schlängelkurs par excellence. Als Beispiel: Er spricht davon, dass allen Religionen ein Gebetshaus zusteht, aber bitte ohne Muezzin und Minarett. Und Fehlverhalten gehört natürlich auch in der Kirche bestraft, aber bitte den heiligen Vater (welcher untätig zu sieht) nicht (verbal) attackieren. Die Unterstützungserklärung an die christliche Kirche erscheint an sich widersprüchlich, da die Präsidentschaftskanditatin vor langer Zeit der Kirche den Rücken zu gekehrt hat.
Es werden immer wieder die selben Stereotypen sowie Feindbilder wiederholt und weitergegeben - z.B. bezüglich der linken Gegner, der "Ausländer". Da wird z.B. zwischen guten und bösen" Ausländern" unterschieden - mit der Anmerkung, man könne ja straffällige Österreicher leider nicht abschieben.
Trotz diesem Verhalten und all diesen Tatsachen wird dabei aber Fairness und unterlassen von Anschwärzungen, Verleumnungen und herabwürdigender Behandlung gefordert.
Man soll nicht verlangen was man selber nicht bereit ist zu geben.
Manchmal sieht man Menschen nach einem Anspracheabsatz inne halten, ihr Ausdruck deutet auf ein gedachtes "Was wurde da gerade gesagt? Was war da gemeint?" bzw. - um es realistischer auszudrücken - "Hääää?" hin. Geklatscht wird trotzdem, nur zögerlicher.
Wissen diese Menschen überhaupt was sie zustimmen - wofür sie klatschen, ihren Kopf vor und zurück wackeln lassen?
Die Welt steht Kopf in den Köpfen der Aussagenden, die diese Reden von sich geben, und der dem Zustimmenden.
Ballhausplatz 2 Stunden später
Nein, es waren nicht viele Menschen bei der Kundgebung. Diejenigen die dort hingehen sind auch nicht primärer Grund für die Besorgnis, auch wenn der überwiegende Teil wahrscheinlich "die hard" FPÖ-, respektive Strache-Fans sind und/oder gern einen (geistigen/politischen ) Führer reden hören. Das was einem wirklich kalt und beklemmend aufstößt ist die Dunkelziffer, diejenigen welchen die nicht kommen, jene die in ihrem Kämmerchen brüten. Kellernazis.
Persönlich habe ich weniger die Sorge, dass Fr. Rosenkranz diese Wahl gewinnen könnte. Was mir aber sehr wohl Unbehagen bereitet ist, welchen Prozentsatz sie erreichen wird.
Auch Menschen können ausscheren.
Entweder physisch, wie z.B. wenn man am Gehsteig geht, "überholen" will, aber derjenige vor einem immer wieder mal links oder rechts schwenkt.
Oder in ihrem Gedankengut, ihrer Gesinnung. Auch das ist links oder rechts möglich.
Noch habe ich den Optimismus und die Hoffnung, dass sich auch diese, in der letzten Zeit stetig wachsende, Zahl an "Rechts"wählern wieder einpendelt. Noch.
Schieflage mit leichtem Hang nach rechts
zum Nach-/Weiterlesen:
kurze Zusammenfassung der Schlussrede auf orf.at
Urteil des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Fall Scharschach/Rosenkranz





